Verrückte Welt!?

Mit Mut für mehr Zeit und Achtsamkeit ins neue Jahr. Ein paar persönliche Gedanken zum Jahreswechsel.
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Vor Weihnachten schrieb mir ein guter Freund: „Leider wird es in diesem Jahr kein Kölsch mit uns im Eigelstein geben, ich muß schon am 26.12. abends zurück auf die verrückte Insel“.
Es ist ihm nicht übel zu nehmen, der Job zwingt ihn in diesem Jahr zur frühzeitigen Rückkehr. Trotzdem schade, aber es wird in 2019 neue Gelegenheiten geben.

Wir haben es auch in diesem Jahr wieder fast jeden Tag gespürt, im Job und teilweise auch privat: Die zunehmende Geschwindigkeit im Alltag, der schnelle Wandel und auch die zum Teil verrückte Welt, die uns bisweilen steuert.
Da ist es gut und wichtig, zum Jahreswechsel mal inne zu halten, einen Schritt zur Seite zu gehen und zu reflektieren. Was war, wie war es, wie geht es mir? Was kommt, was ist mir wichtig, wo gehe ich hin?
Und: Zeit bewusst wahrnehmen. Wirklich mal entschleunigen, um Körper und Geist die Möglichkeit zu geben, zur Ruhe zu kommen und seinen Energiespeicher aufzuladen.

Wer kommt da noch mit?
Mein Aufruf zur Entschleunigung soll aber nicht falsch verstanden werden. Es geht bei Weitem nicht um eine Verteufelung der Geschwindigkeit und des Wandels in der Welt. Vielmehr geht es darum, bewusst mit dieser Realität umzugehen.

In der Wochenzeitung DIE ZEIT vom 13.12.2018 habe ich dazu unter dem Titelthema „Beschleunigung“ einen interessanten Artikel von Ulrich Schnabel gelesen: „Wer kommt da noch mit?“.
Er zitiert darin unter anderem Andreas Wiegand, den früheren Chefwissenschaftler von Amazon. Aus seiner Sicht geht es nicht darum, das moderne Tempo zu bremsen, sondern es richtig zu gestalten. Dafür braucht es die Fähigkeit zur Zweigleisigkeit, zur globalen Schnelligkeit wie auch zur lokalen Ruhe.

Der Artikel hebt eine weitere wichtige Fähigkeit hervor, die in der digital beschleunigten Welt benötigt wird. Die Fähigkeit, sich nicht ständig ablenken zu lassen und die eigenen Prioritäten nicht aus dem Blick zu verlieren. Schlussfolgerung: Die beste Zukunftsstrategie beginnt oft mit der einen, schlichten Frage: Was kann ich weglassen?

Fokus auf das Wesentliche.
Das Thema Achtsamkeit ist schon seit längerer Zeit in aller Mund. Jeder mag dazu seine eigene Meinung haben und ja, es wird bisweilen zu viel und inflationär mit dem Begriff umgegangen.
Entscheidend ist aus meiner Sicht aber die Essenz, nämlich die Konzentration auf das Hier und Jetzt und der Fokus auf das Wesentliche.
Achtsamkeit bildet ein gutes Gegengewicht zur heutigen Multi-Tasking-Gesellschaft und hilft, uns wieder vieler eigentlich selbstverständlicher Regeln der Lebensgestaltung bewußt bzw. bewußter zu werden.

Achtsamkeit hat somit einen einfachen aber wirkungsvollen Effekt: Tempo rausnehmen und so überhaupt erst in der Lage zu sein, über Ziele nachzudenken.

Eine interessante und schöne Form der Entschleunigung durfte ich erleben, als ich vor Kurzem erstmalig im Düsseldorfer Marionettentheater war.

Wunderschöne handgearbeitete Holzpuppen, einfache aber filigrane Bewegungen, tolle Effekte, 100% analog, mit viel Liebe und Hingabe inszeniert und gespielt.
Das Stück war übrigens „Momo“, die bekannte Geschichte von Michael Ende über Zeitdiebe.

Im nächsten Jahr warten wieder große und spannende Aufgaben auf uns. Und wieder wird das Tempo hoch sein, der Wandel, aber auch Ungewissheit, wird uns täglich begleiten. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, mit Freude, Enthusiasmus und viel Energie die Aufgaben anzugehen. Wichtig dabei wird sein, dass wir uns fokussieren und auch mal „Nein“ sagen.

Ich wünsche uns allen für 2019 Mut für mehr Zeit und Achtsamkeit.

Published On: Dezember 30th, 2018 / Categories: Mensch / Tags: , , , , /